Lavatunnel-Habitate
Natürliche Höhlen unter der Oberfläche von Mond und Mars als Schutzräume gegen Strahlung, Mikrometeoriten und extreme Temperaturen.
Was ist Lavatunnel-Habitate?
Natürliche Höhlen unter der Oberfläche von Mond und Mars als Schutzräume gegen Strahlung, Mikrometeoriten und extreme Temperaturen.
Lavatunnel (Lavaröhren) sind natürliche Höhlen, die durch fließende Lava unter einer erstarrten Oberfläche entstehen. Auf dem Mond und dem Mars sind sie deutlich größer als auf der Erde: Die geringere Schwerkraft und die dünnere (oder fehlende) Atmosphäre ermöglichten Tunnel mit Durchmessern von 100–500 Metern auf dem Mond und 30–250 Metern auf dem Mars.
Der Vorteil als Habitat-Standort ist enorm: Natürlicher Strahlenschutz (mehrere Meter Gestein über dem Tunnel), Schutz vor Mikrometeoriten, stabile Temperaturen (auf dem Mond konstant -20 °C statt der extremen Schwankungen an der Oberfläche) und Schutz vor Mondstaub.
Auf dem Mond wurden über 200 Einstürze (Pits) identifiziert, die Zugänge zu Lavatunneln sein könnten. Die Mare-Tranquillitatis-Grube, 2010 vom Lunar Reconnaissance Orbiter entdeckt, ist ein 100 m breiter Einbruch mit sichtbarem Tunnelansatz. 2024 bestätigte eine Radaranalyse von LRO-Daten einen offenen Lavatunnel unter der Mare-Tranquillitatis-Region.
Die ESA und JAXA untersuchen Explorations-Konzepte für lunare Lavatunnel: Roboter-Erkundung durch die Einstiegslöcher, gefolgt von Abdichtung und Druckbeaufschlagung der Tunnel. Ein 500 m langer Tunnel könnte bei 1 atm Innendruck ohne zusätzliche Konstruktion als Wohnraum für Hunderte Menschen dienen.
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