Manifest

Gute Bücher verdienen
Sichtbarkeit.

Science Fiction hat in Deutschland ein Sichtbarkeitsproblem. Selfpublishing hat ein Sichtbarkeitsproblem. Weil ich mich zu beidem zähle, wurde BuchKnall geboren.

Die Zahlen

Deutschland produziert jährlich über 58.000 Erstauflagen. Davon sind schätzungsweise 300 bis 900 Science Fiction, Selfpublishing eingerechnet. In den USA erscheinen im selben Zeitraum 25.000 bis 60.000 SciFi-Titel. Das Verhältnis ist grotesk. An Netflix-Serien wie Three Body Problem oder der deutschen Produktion Dark sieht man, dass Millionen potenzielle Leserinnen und Leser existieren. Sie werden nur nicht erreicht, weil es keine Lobby gibt und keinen Ort, der deutschsprachige Science Fiction bündelt.

SciFi in Deutschland

Deutschsprachige Science Fiction fristet ein Nischendasein. In den Buchhandlungen stehen drei Regalmeter zwischen Krimi und Fantasy, gefüllt mit den immer gleichen Namen. Deutsche SF-Autorinnen und -Autoren haben es schwer, wahrgenommen zu werden, weil das Genre hierzulande als Nerd-Nische gilt, während es international Millionen bewegt. Cixin Liu verkauft weltweit, Dune füllt Kinos, The Expanse begeistert Millionen auf Amazon Prime. Aber frag mal in einer deutschen Buchhandlung nach einem aktuellen deutschsprachigen SciFi-Roman.

Selfpublishing in Deutschland

Selfpublishing hat ein Image-Problem. In den Köpfen vieler Leserinnen und Leser steht SP für ungekürzte Erstfassungen, schlechte Cover und fehlende Qualitätskontrolle. Buchhandlungen führen keine SP-Titel. Literaturpreise schließen sie aus oder schieben sie in Sonderkategorien. Rezensionsblogs ignorieren sie. Amazon-Algorithmen begraben sie unter Massenpublikationen.

Dabei hat Selfpublishing einige der erfolgreichsten SF-Bücher der letzten Jahre hervorgebracht. Hugh Howey schrieb Wool als SP-Novelle und landete bei Apple TV+. Andy Weir stellte Der Marsianer auf seine Website und wurde von Ridley Scott verfilmt. Marko Kloos lehnte eine Hugo-Nominierung ab, weil sein SP-Titel sie angeblich nicht verdiente. Die Leser sahen das anders.

Das Ökosystem

Verlage buhlen um Trends und platzieren Keywords und Influencer auf den gängigen Plattformen. Es bilden sich Echokammern rund um Buchblogger, die große Verlagswerke rezensieren, weil Verlage mit monetären Incentives und plattformvergrößernden Maßnahmen helfen. Selfpublisher bleiben dabei auf der Strecke, weil einfach keine Zeit und kein Platz mehr bleibt. Das Kuratieren ganzer Genres durch Verlage betrügt das Land um eine ungeheure Kreativität und Lebensleistungen. Es gehen Geschichten verloren, und das für immer.

Die Idee

Dieses Lexikon stellt Indie-Romane neben Verlagsklassiker. Gleiche Seitenstruktur, gleiche Beschreibungstiefe, gleiche Empfehlungslogik. Alle Bücher teilen sich dieselbe Bühne, ohne Sternchen und ohne Kleingedrucktes. Wenn ein Buch gut genug ist, steht es neben Dune. Wenn eine Autorin gute Geschichten schreibt, steht sie neben Asimov.

216 von 6468 Titeln in diesem Lexikon sind Selfpublishing oder den Weg vom SP zum Verlag gegangen. Das sind 29%. Sie stehen zwischen den Klassikern, weil sie dorthin gehören.

Der Fairness-Algorithmus

Im Hintergrund von BuchKnall läuft ein Fairness-Algorithmus. Er sorgt dafür, dass Bücher von Indie-Autorinnen und -Autoren genau dort sichtbar werden, wo Leserinnen und Leser nach Verlagswerken suchen. Wenn ein Verlagsbuch angezeigt wird, wird auch ein Indie-Buch angezeigt. Die Auswahl rotiert täglich, damit über die Zeit jedes Buch gleich viel Sichtbarkeit bekommt. Kein Buch wird bevorzugt, kein Buch wird benachteiligt.

Die Galaxie

Auf BuchKnall ist die Milchstraße komplett in 3D gerendert. Bücher, deren Geschichten im Weltraum spielen, sind an ihrem inhaltlich passenden Ort in der Galaxie platziert. Man kann suchen, hinfliegen, den Klappentext lesen und ähnliche Bücher entdecken. In der Galaxie stehen Verlagsbücher und Indie-Bücher gleichberechtigt nebeneinander. Wer ein SciFi-Buch geschrieben hat, das in der Milchstraße spielt, kann es dort platzieren lassen, wo die Geschichte stattfindet.

Die Lücken

Ich habe wochenlang recherchiert, die Deutsche Nationalbibliothek durchforstet, jeden Algorithmus angezapft, den ich kenne. Trotzdem fehlen Bücher. Gerade Fortsetzungen und neue Projekte von Selfpublishern sind oft unsichtbar, weil es keine zentrale Datenbank gibt, die alles erfasst. Deshalb braucht BuchKnall die Hilfe der Autorinnen und Autoren selbst. Jede und jeder kann die eigenen Bücher kostenlos eintragen.

Die Regeln

Qualität entscheidet, Veröffentlichungsweg nicht. Jedes Buch wird gleich kuratiert, egal ob Heyne oder Eigenverlag auf dem Rücken steht. Jede Beschreibung ist eigener Text, keine kopierten Klappentexte, keine automatisch generierten Zusammenfassungen. KI-generierte Bücher sind ausgeschlossen. Autorinnen und Autoren dürfen selbst bestimmen, wie ihr Buch beschrieben und kategorisiert wird.

Die Finanzierung

BuchKnall ist ein privates Projekt, aufgebaut mit neuesten Technologien und teilweise Open Source. Die Finanzierung läuft über zwei Wege. Erstens: Ein freiwilliger Spendenbutton über Ko-Fi für Serverkosten und Arbeitszeit. Zweitens: Affiliate-Links zu Amazon. Wer über BuchKnall ein Buch kauft, bezahlt nicht mehr als sonst. Autorinnen und Autoren bekommen nicht weniger Geld. Amazon zahlt einen Obolus an BuchKnall. Bei guter finanzieller Entwicklung kann daraus ein Fonds entstehen, aus dem neue Autorinnen und Autoren ein Lektorat finanziert bekommen. Ein Versprechen ist das noch nicht, eine Absicht schon.

Die Einladung

Du hast ein SciFi-Buch geschrieben? Du hast es selbst veröffentlicht, weil kein Verlag geantwortet hat, oder weil du es so wolltest? Trag es ein. Kostenlos. Es steht morgen neben Foundation und Neuromancer. Und wenn deine Geschichte in der Milchstraße spielt, findest du sie dort, wo sie hingehört.

6468 Bücher im Lexikon
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216 Selfpublishing-Titel
121 Indie-Autoren