Technologische Arbeitslosigkeit
Die Verdrängung menschlicher Arbeitskräfte durch Maschinen und Algorithmen, eines der wiederkehrenden Themen der Science Fiction seit den 1950er Jahren.
Kurt Vonneguts Debütroman Player Piano (1952) gehört zu den frühesten Science-Fiction-Romanen, die sich ganz auf technologische Arbeitslosigkeit konzentrieren. In Vonneguts Welt hat die Automatisierung fast alle Arbeitsplätze vernichtet. Die Gesellschaft ist geteilt in eine kleine Elite von Ingenieuren und Managern und eine große Masse von Arbeitslosen, die mit sinnlosen Beschäftigungsprogrammen ruhiggestellt wird.
Das Thema durchzieht die gesamte Science-Fiction-Geschichte. Isaac Asimov beschrieb in seinen Roboter-Geschichten (ab 1940) eine Gesellschaft, die Roboter auf der Erde verbannt, weil Arbeiter um ihre Existenz fürchten. Philip K. Dicks Do Androids Dream of Electric Sheep? (1968) spielt in einer Welt, in der menschenähnliche Androiden die gefährlichen und unerwünschten Arbeiten auf Kolonialwelten verrichten.
Die optimistischere Gegenposition formulieren Werke, die eine Postknappheitsgesellschaft beschreiben: Wenn Maschinen alles herstellen können, wird menschliche Arbeit nicht mehr benötigt, aber das ist dann kein Problem, sondern eine Befreiung. Iain M. Banks' Culture-Serie und Star Treks Föderation sind die bekanntesten Beispiele.
Der Ökonom John Maynard Keynes prägte den Begriff technologische Arbeitslosigkeit 1930, aber die Angst ist älter: Schon die Ludditenaufstände ab 1811 richteten sich gegen die maschinelle Verdrängung von Handwerkern. Studien des 21. Jahrhunderts schätzen, dass zwischen 14 und 47 Prozent der heutigen Arbeitsplätze automatisierbar sind. Die Frage, die Science Fiction und Ökonomie gleichermaßen beschäftigt: Werden genug neue Berufe entstehen, um die verlorenen zu ersetzen?
Die Science Fiction hat auf diese Frage keine einheitliche Antwort. Die pessimistischen Szenarien zeigen eine gespaltene Gesellschaft, in der nur jene, die die Maschinen besitzen oder programmieren können, Wohlstand genießen. Die optimistischen Szenarien, bei Banks ebenso wie bei Star Trek, setzen voraus, dass eine Gesellschaft sich bewusst entscheidet, den Gewinn der Automatisierung zu teilen statt zu konzentrieren. Diese Entscheidung ist keine technische, sondern eine politische. Darin liegt die eigentliche Botschaft des Genres.
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Technologische Arbeitslosigkeit. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/technologische-arbeitslosigkeit/ (abgerufen am 17.06.2026).
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