Mundane SF
Gegenbewegung zur Space Opera, die auf interstellare Reisen verzichtet und sich auf plausible, erdnahe Science Fiction konzentriert.
Was ist Mundane SF?
Gegenbewegung zur Space Opera, die auf interstellare Reisen verzichtet und sich auf plausible, erdnahe Science Fiction konzentriert.
Mundane SF ist eine programmatische Bewegung innerhalb der Science Fiction, die 2004 vom Autor Geoff Ryman mit einem Manifest begründet wurde. Der Name ist bewusst provokant: mundane bedeutet hier weltlich, alltäglich, irdisch. Die Bewegung argumentiert, dass ein Großteil der SF-Tropen wissenschaftlich unhaltbar ist und dass sich die Literatur stärker auf realistische, erdnahe Szenarien konzentrieren sollte.
Das Mundane Manifesto verwirft Überlichtgeschwindigkeit, Kontakt mit Außerirdischen, bewohnbare Planeten in Reichweite und andere Standardmotive der Space Opera. Die Begründung: Diese Tropen lenken von den wirklichen Herausforderungen ab, vor denen die Menschheit steht. Stattdessen solle sich SF mit den Problemen beschäftigen, die wir tatsächlich lösen müssen: Klimawandel, soziale Ungleichheit, Bevölkerungswachstum, Ressourcenknappheit.
In der Praxis hat Mundane SF viel Überschneidung mit Climate Fiction und Near-Future SF. Romane wie Kim Stanley Robinsons Science in the Capital-Serie, Bacigalupis Water Knife oder Kazuo Ishiguros Never Let Me Go passen in dieses Raster, auch wenn ihre Autoren sich nicht unbedingt als Mundane-SF-Vertreter bezeichnen würden.
Kritiker werfen der Bewegung vor, das Imaginative aus der Science Fiction zu verbannen. Warum sollte sich ein Genre, das von der Vorstellungskraft lebt, freiwillig beschränken? Befürworter halten dagegen, dass die größten Geschichten oft die sind, die am nächsten an unserer Realität spielen.
Als Strömung hat Mundane SF keine große organisierte Anhängerschaft entwickelt, aber ihr intellektueller Einfluss ist spürbar. Sie hat die Diskussion darüber geschärft, welche Verantwortung Science Fiction gegenüber der Wissenschaft und der Gegenwart trägt.
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