Konzept

Slipstream

Literarische Grauzone zwischen Mainstream und Genre, in der realistische Erzählungen mit surrealen oder spekulativen Elementen durchsetzt werden.

Was ist Slipstream?

Literarische Grauzone zwischen Mainstream und Genre, in der realistische Erzählungen mit surrealen oder spekulativen Elementen durchsetzt werden.

Slipstream ist vielleicht das am schwierigsten zu definierende Subgenre der spekulativen Literatur. Der Begriff wurde 1989 von Bruce Sterling in einem Essay geprägt und beschreibt Literatur, die weder eindeutig Mainstream noch eindeutig Science Fiction oder Fantasy ist. Sterling nannte es die Literatur der Verunsicherung: Texte, die sich anfühlen, als wäre etwas an der Realität verschoben, ohne dass man genau sagen kann, was.

Slipstream-Werke verwenden oft SF- oder Fantasy-Elemente, aber nicht als zentralen Weltenbau, sondern als Verfremdungseffekt. Die Realität in diesen Geschichten ist leicht verzerrt, traumhaft, logisch inkonsistent oder subtil anders. Haruki Murakamis Romane sind ein perfektes Beispiel: Katzen sprechen, Menschen verschwinden spurlos, Parallelwelten öffnen sich beiläufig. Kazuo Ishiguros Never Let Me Go erzählt eine Klongeschichte in einem Ton, als wäre sie ein britischer Gesellschaftsroman.

Weitere Autoren, die häufig dem Slipstream zugeordnet werden, sind Kelly Link, George Saunders, Karen Russell, David Mitchell und Jonathan Lethem. Im deutschsprachigen Raum könnten Autoren wie Daniel Kehlmann (Die Vermessung der Welt) oder Jenny Erpenbeck Berührungspunkte haben.

Das Genre lebt von seiner Unbestimmtheit. Slipstream-Texte provozieren ein Gefühl des Unheimlichen, ohne sich auf die vertrauten Mechanismen von Horror oder Fantasy zu stützen. Sie nutzen spekulative Elemente, um die Brüchigkeit der Alltagsrealität sichtbar zu machen.

Für die Science Fiction ist Slipstream deshalb relevant, weil es zeigt, wie durchlässig die Genregrenzen geworden sind. Die interessanteste zeitgenössische Literatur bewegt sich zunehmend in diesem Zwischenraum.

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