Astrobiologie

Phosphin-Debatte

2020 meldeten Forscher Phosphin in der Venus-Atmosphäre, ein mögliches Zeichen für Leben. Die Debatte darüber ist bis heute nicht beendet.

Was ist Phosphin-Debatte?

2020 meldeten Forscher Phosphin in der Venus-Atmosphäre, ein mögliches Zeichen für Leben. Die Debatte darüber ist bis heute nicht beendet.

Im September 2020 veröffentlichte ein Team um Jane Greaves in Nature Astronomy den Nachweis von Phosphin (PH₃) in der Venus-Atmosphäre, aufgenommen mit dem James Clerk Maxwell Telescope und ALMA. Phosphin ist auf der Erde ein Stoffwechselprodukt anaerober Bakterien, und kein bekannter abiotischer Prozess kann es in den Mengen erklären, die das Team meldete.

Die Nachricht löste ein Erdbeben aus: Könnte in den Wolken der Venus, in einer schmalen Zone bei 50–60 km Höhe mit erdähnlichen Temperaturen und Drücken, mikrobielles Leben existieren? Die Venus-Wolken sind allerdings extrem sauer (konzentrierte Schwefelsäure), selbst für Extremophile eine extreme Herausforderung.

Innerhalb weniger Monate widersprachen mehrere Teams: Die Daten seien fehlerhaft kalibriert, das Signal könnte Schwefeldioxid statt Phosphin sein, die geschätzte Menge sei um das Tausendfache zu hoch. Greaves' Team veröffentlichte überarbeitete Analysen mit reduzierten, aber weiterhin vorhandenen Phosphin-Werten. Stand 2025 ist die Debatte ungelöst.

NASA und ESA haben als Reaktion Venus-Missionen beschleunigt: DAVINCI und VERITAS (NASA, geplant für die 2030er) sowie EnVision (ESA) werden die Atmosphäre direkt untersuchen. Die Phosphin-Debatte zeigt, wie ein einziges Molekül die Raumfahrtprioritäten verschieben kann.

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