Formamid-Hypothese
Formamid statt Wasser als Lösungsmittel des Lebens, ein chemisches Szenario, das die Entstehung aller RNA-Bausteine in einem Schritt ermöglicht.
Was ist Formamid-Hypothese?
Formamid statt Wasser als Lösungsmittel des Lebens, ein chemisches Szenario, das die Entstehung aller RNA-Bausteine in einem Schritt ermöglicht.
Formamid (HCONH₂) ist ein einfaches organisches Molekül, das im Universum weit verbreitet ist, nachgewiesen in Kometen, interstellarem Gas und auf der frühen Erde. Der italienische Chemiker Raffaele Saladino zeigte ab 2001 in einer Reihe von Experimenten, dass Formamid bei Erhitzung in Gegenwart von Mineralien alle vier Nukleobasen der RNA produzieren kann, dazu Aminosäuren und Zuckerverbindungen.
Das ist bemerkenswert, weil die klassische Ursuppen-Theorie (Miller-Urey) zwar Aminosäuren erklärt, aber nicht die Nukleotide der RNA. Formamid schließt diese Lücke: Ein einziges, kosmisch häufiges Molekül könnte unter der Einwirkung von UV-Strahlung, Meteoriten-Einschlägen oder vulkanischer Hitze die gesamte Palette der Lebensbausteine geliefert haben.
Für die Astrobiologie bedeutet das: Überall, wo Formamid und Energie zusammenkommen, auf Kometen, in Einschlagskratern, in heißen Quellen, könnten die Grundlagen für Leben entstanden sein. Das erweitert die möglichen Entstehungsorte weit über die klassische 'warme kleine Teiche'-Vorstellung hinaus.
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