Ratgeber · 15 Filme

SciFi-Geheimtipps: Filme, die jeder gesehen haben muss

Vergessene Meisterwerke, verkannte Klassiker und Indie-Perlen. Diese Filme verdienen mehr Aufmerksamkeit.

Jeder kennt Star Wars, Blade Runner und The Matrix. Aber die Science Fiction hat weit mehr zu bieten als die üblichen Verdächtigen. Diese Liste versammelt Filme, die an der Kinokasse floppten und zum Kult wurden, die von Kritikern übersehen und von Fans geliebt werden, und die beweisen, dass die besten Ideen nicht immer das größte Budget brauchen.

Die Auswahl ist bewusst subjektiv. Hier entscheiden weder Algorithmen noch Bestenlisten-Aggregation. Jeder Film auf dieser Liste hat etwas, das ihn unvergesslich macht, sei es eine Idee, eine Szene oder eine Performance. Manche sind Blockbuster, die klüger sind, als sie auf den ersten Blick wirken. Andere sind Indie-Produktionen, die mit Minibudgets Welten erschaffen, die Hollywood-Filme nicht erreichen.

01

Equilibrium (2002)

Regie: Kurt Wimmer

In einer Zukunft ohne Emotionen kämpft ein Vollstrecker gegen das System, das er einst verteidigt hat.

Christian Bale als Grammaton Cleric John Preston in einer Welt, die Gefühle durch das Medikament Prozium unterdrückt. Der Film floppte an der Kinokasse und wurde von Kritikern ignoriert, doch die Gun-Kata-Kampfszenen sind einige der originellsten Actionsequenzen der 2000er. Equilibrium nimmt Fahrenheit 451 und 1984, mischt es mit Matrix-Ästhetik und schafft etwas Eigenständiges. Bales Moment, in dem er zum ersten Mal die Sonne auf seinem Gesicht spürt, ist pure Gänsehaut.

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02

Event Horizon (1997)

Regie: Paul W.S. Anderson

Ein Raumschiff verschwindet und taucht wieder auf, mit etwas an Bord, das nicht von hier ist.

Haunted House im Weltraum, mit Sam Neill und Laurence Fishburne. Das Schiff Event Horizon nutzte einen experimentellen Antrieb, der durch eine Dimension reiste, die sich als Hölle herausstellte. Der Film wurde bei Erscheinen zerrissen, hat aber im Laufe der Jahre einen legendären Kultstatus erreicht. Die verstörendsten Szenen existieren nur noch als körnige VHS-Kopien, weil Paramount das Original-Material vernichtete. Wer Alien mag und keine Angst vor Horror hat, muss diesen Film sehen.

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03

Starship Troopers (1997)

Regie: Paul Verhoeven

Auf den ersten Blick ein dummer Actionfilm über Bugs. Auf den zweiten: die schärfste Militarismus-Satire der Filmgeschichte.

Paul Verhoeven verfilmte Robert A. Heinleins kontroversen Roman als beißende Satire auf Faschismus und Propaganda. Die meisten Zuschauer verstanden den Film 1997 nicht, heute gilt er als brillant. Die Nachrichtensendungen im Film, in denen fröhliche Moderatoren über die Vernichtung einer Alien-Spezies berichten, sind praktisch ein Kommentar auf jede kriegerische Berichterstattung seitdem. Actionreich, blutig, absichtlich übertrieben und mit einer subtilen Intelligenz, die sich erst bei wiederholtem Sehen erschließt.

04

District 9 (2009)

Regie: Neill Blomkamp

Aliens stranden in Johannesburg und werden in Slums gesperrt. Eine Apartheid-Allegorie als SciFi-Actionfilm.

Neill Blomkamps Debütfilm, produziert von Peter Jackson, erzählt die Geschichte der Prawns, einer Alien-Spezies, die über Johannesburg strandet und von der Regierung in Lagern interniert wird. Als der Bürokrat Wikus van de Merwe beginnt, sich physisch in einen Alien zu verwandeln, gerät er zwischen die Fronten. Der Film wurde mit einem Budget von nur 30 Millionen Dollar gedreht, sieht aber aus wie das Dreifache, und Sharlto Copley liefert eine der besten Performances des Jahrzehnts. District 9 beweist, dass Science Fiction politisch sein kann, ohne langweilig zu werden.

05

Contact (1997)

Regie: Robert Zemeckis

Eine Wissenschaftlerin empfängt ein Signal aus dem All und muss zwischen Glaube und Wissenschaft navigieren.

Basierend auf Carl Sagans gleichnamigem Roman erzählt Contact die Geschichte der Radioastronomin Ellie Arroway (Jodie Foster), die ein Signal der Außerirdischen empfängt und eine Maschine baut, um dorthin zu reisen. Der Film ist kein Action-Spektakel, sondern eine nachdenkliche Meditation über Wissenschaft, Religion und die menschliche Sehnsucht, nicht allein im Universum zu sein. Matthew McConaugheys Rolle als Theologe, der Ellie herausfordert, verleiht dem Film eine unerwartete Tiefe. Das Ende ist kontrovers und mutig.

06

Independence Day (1996)

Regie: Roland Emmerich

Aliens sprengen das Weiße Haus und Will Smith boxt einen Alien ins Gesicht. Was will man mehr?

Roland Emmerichs Meisterwerk des Katastrophen-Kinos definierte den Sommer-Blockbuster der 90er neu. Die Aliens kommen, und sie kommen nicht in Frieden. Bill Pullmans Präsidenten-Rede vor dem Gegenangriff ist eine der besten Reden der Filmgeschichte. Jeff Goldblum rettet die Welt mit einem Laptop-Virus. Will Smith macht Karriere. Der Film ist absurd, patriotisch und grandios unterhaltsam. Independence Day ist kein subtiler Film, aber er muss es auch nicht sein, und genau das macht ihn zeitlos.

07

Dark City (1998)

Regie: Alex Proyas

Ein Mann wacht ohne Erinnerung in einer Stadt auf, die jede Nacht von mysteriösen Wesen umgebaut wird.

Dark City erschien ein Jahr vor The Matrix und teilt erstaunlich viele Themen: eine falsche Realität, eine kontrollierte Welt, ein Protagonist, der die Wahrheit aufdeckt. Rufus Sewell spielt John Murdoch, der entdeckt, dass die Stadt, in der er lebt, jede Nacht von den Strangers umgebaut wird, während die Bewohner schlafen. Die Ästhetik ist Film-Noir-trifft-Expressionismus, und der Film hat eine visuelle Dichte, die bei jedem Sehen neue Details offenbart. Kiefer Sutherland, Jennifer Connelly und ein grandioser William Hurt ergänzen den Cast. Ein vergessenes Meisterwerk.

08

Moon (2009)

Regie: Duncan Jones

Ein Mann arbeitet allein auf einer Mondstation, bis er herausfindet, dass er nicht der ist, der er zu sein glaubt.

Duncan Jones' Debütfilm mit Sam Rockwell in einer Tour-de-Force-Performance als Sam Bell, der seit drei Jahren allein auf einer Mondstation Helium-3 abbaut. Als ein Unfall passiert, entdeckt er ein Geheimnis, das sein gesamtes Selbstverständnis in Frage stellt. Moon wurde für unter fünf Millionen Dollar gedreht und zeigt, dass große Science Fiction keine großen Budgets braucht. Kevin Spaceys Stimme als GERTY, der KI-Assistent der Station, ist eine liebevolle Anspielung auf HAL 9000, aber mit einer überraschenden Wendung.

09

Gattaca (1997)

Regie: Andrew Niccol

In einer Welt genetischer Perfektion kämpft ein natürlich geborener Mann um seinen Traum, zu den Sternen zu fliegen.

Gattaca ist Science Fiction, die so leise erzählt wird, dass man vergisst, einen SciFi-Film zu schauen. Ethan Hawke spielt Vincent, ein In-Valid, der in einer Gesellschaft genetischer Diskriminierung nicht für den Weltraum zugelassen wird. Er nimmt die Identität eines genetisch perfekten, aber gelähmten Mannes an (Jude Law) und arbeitet sich in die Gattaca-Raumfahrtbehörde hoch. Der Film ist eine Warnung vor Eugenik, verpackt in einem eleganten Thriller. Die Ästhetik ist minimalistisch, die Farbpalette golden, und das Ende ist bewegend. Gattaca wurde 1997 ein Kassenflopp und ist heute aktueller als je zuvor.

10

Coherence (2013)

Regie: James Ward Byrkit

Ein Komet, ein Abendessen unter Freunden und plötzlich existieren mehrere Versionen desselben Hauses.

Coherence wurde mit einem Minibudget, acht Schauspielern und einem einzigen Haus gedreht und ist einer der cleversten SciFi-Filme der letzten zwanzig Jahre. Während eines Kometenvorbeiflugs bemerken die Gäste einer Dinnerparty, dass in einem identischen Haus in der Nachbarschaft exakte Kopien von ihnen selbst sitzen. Die Realität beginnt sich zu überlappen, und Vertrauen zerfällt. Die Schauspieler improvisierten große Teile ihrer Dialoge, was dem Film eine Authentizität verleiht, die Drehbücher selten erreichen. Coherence zeigt, was passiert, wenn man das Multiversum auf ein Einfamilienhaus schrumpft.

11

Dredd (2012)

Regie: Pete Travis

Judge Dredd wird in einem 200-stöckigen Wolkenkratzer eingesperrt und muss sich bis zur Spitze durchkämpfen.

Karl Urban nimmt den Helm nie ab, und genau das macht diesen Film besser als den Stallone-Versuch von 1995. Dredd ist kompromisslos, stilistisch brillant und dank des Slow-Motion-Drogenkonzepts visuell atemberaubend. Lena Headey als Drogenbaronin Ma-Ma ist eiskalt. Der Film floppte an der Kinokasse, was eine verdiente Fortsetzung verhinderte, aber die Fangemeinde bleibt eine der treuesten im Genre. Ein 200-stöckiger Wohnblock, ein Tag, ein Gesetz.

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12

Predestination (2014)

Regie: Spierig Brothers

Ein Zeitreise-Agent jagt einen Terroristen durch die Epochen, bis die Wahrheit über seine eigene Identität alles sprengt.

Basierend auf Robert A. Heinleins Kurzgeschichte All You Zombies ist Predestination der vielleicht konsequenteste Zeitreise-Film aller Zeiten. Ethan Hawke und Sarah Snook liefern Performances, die man nicht vergisst, und die Auflösung der Geschichte ist so verblüffend, dass sie beim ersten Sehen den Boden unter den Füßen wegzieht. Der Film wurde weitgehend unter dem Radar veröffentlicht und ist ein Paradebeispiel für einen Film, den mehr Menschen sehen sollten.

13

Arrival (2016)

Regie: Denis Villeneuve

Eine Linguistin muss mit Außerirdischen kommunizieren und entdeckt dabei, dass Sprache die Wahrnehmung der Zeit verändern kann.

Arrival basiert auf Ted Chiangs Geschichte deines Lebens und ist einer der intelligentesten Alien-Kontakt-Filme aller Zeiten. Amy Adams als Dr. Louise Banks versucht, die Sprache der Heptapoden zu entschlüsseln, einer Spezies, deren zirkuläre Schriftzeichen das Verständnis von Zeit selbst verändern. Denis Villeneuve inszeniert den Film mit einer ruhigen Intensität, die den Zuschauer langsam in die Auflösung hineinzieht. Das Ende ist gleichzeitig intellektuell befriedigend und emotional verheerend. Arrival beweist, dass First-Contact-Filme keine Waffen brauchen.

14

Prospect (2018)

Regie: Zeek Earl & Chris Caldwell

Vater und Tochter landen auf einem Dschungelmond, um seltene Ressourcen zu ernten. Ein Indie-Western im Weltraum.

Prospect ist ein Indie-SciFi-Film mit einem Budget, das kleiner ist als das Catering mancher Blockbuster, und trotzdem eine der atmosphärischsten Welten der letzten Jahre erschafft. Sophie Thatcher und Jay Duplass als Vater-Tochter-Duo, Pedro Pascal als zwielichtiger Schürfer. Der gesamte Film spielt auf der Oberfläche eines Mondes, dessen Vegetation giftig ist und dessen Bodenschätze tödliche Risiken bergen. Die Handkameras, die analogen Helme und die Lo-Fi-Technologie erzeugen ein Gefühl von Realismus, das CGI-Orgien selten erreichen.

15

Ex Machina (2014)

Regie: Alex Garland

Ein Programmierer wird eingeladen, eine KI auf Menschlichkeit zu testen, und merkt zu spät, wer hier wen testet.

Alex Garlands Regiedebüt ist ein Kammerspiel mit drei Figuren: dem Tech-Milliardär Nathan (Oscar Isaac), dem Programmierer Caleb (Domhnall Gleeson) und der KI Ava (Alicia Vikander). Ex Machina stellt die Frage, wann eine Maschine aufhört, ein Werkzeug zu sein, und anfängt, eine Person zu sein. Vikanders Performance als Ava ist verstörend, weil sie nie ganz klären lässt, ob Ava fühlt oder simuliert. Der Film gewann den Oscar für die besten visuellen Effekte und ist einer der besten Filme über Künstliche Intelligenz, die je gedreht wurden.

Wo anfangen?

Für den Einstieg empfehlen sich Arrival und Ex Machina, weil sie zugänglich und visuell beeindruckend sind. Wer Action will: Equilibrium und Dredd. Wer sich den Kopf zerbrechen will: Coherence und Predestination. Wer bereit ist, danach nicht schlafen zu können: Event Horizon.

Was fehlt auf dieser Liste?

Absichtlich ausgelassen wurden die offensichtlichen Klassiker (Blade Runner, Alien, 2001), die jeder kennt, sowie Serien (Black Mirror, The Expanse). Dafür gibt es andere Ratgeber. Diese Liste konzentriert sich auf Filme, die in Gesprächen über Science Fiction zu selten genannt werden.